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Attacke im Mittelmeer: Angriff auf das Spionageschiff USS Liberty am 8. Juni 1967

1967 tobte der Sechstagekrieg zwischen Israel und Ägypten, Jordanien sowie Syrien. Dabei kam es auch zu einem Angriff auf ein amerikanisches Schiff.. Die USS Liberty sah aus wie ein Frachter – die Baureihe wurde während des Zweiten Weltkrieges entworfen und zu Truppen und Materialtransporten genutzt. Tatsächlich war sie fast 20 Jahre später in ganz anderem Auftrag unterwegs.

Für Unwissende stellte das einzig sichtbare Indiz die große Antenneninstallation an Deck dar. Nutzer des Schiffes war die National Security Agency (NSA), zuständig für Entschlüsselung und Auswertung elektronischer Kommunikation. Man nutzte das ehemalige Frachtschiff nun also als Spionageschiff. Die Antennen sammelten Funksprüche und Radarsignale und überwachten die Entwicklung im Krieg zwischen Israel und den arabischen Staaten.

Die USS Liberty kreuzte im östlichen Mittelmeer in internationalen Gewässern, weit entfernt von den Kampfhandlungen. Wenige Tage vor dem Zwischenfall am 8. Juni 1967 meldeten die USA, sie hätten kein Schiff innerhalb einer 100-Meilen Zone um die Kämpfe. Während dieser Zeit wurde die USS Liberty von israelischen Anti-U-Boot Flugzeugen mehrfach überflogen – Israel wusste also, dass die verbündeten Amerikaner mit dem Schiff vor Ort waren.

Später griffen israelische Bomber und U-Boote das Schiff an, töteten 34 Besatzungsmitglieder und verletzten weitere 172. Augenzeugen berichteten vom blauen Davidstern, den sie auf den Flugzeugen erkennen konnten. Die Frage, wer den Angriff auf das Schiff ausgeführt hatte, war innerhalb eines Jahres auch hochoffiziell geklärt. Israel und die USA einigten sich auf eine Entschädigungszahlung von über 3 Millionen Dollar. Später folgten weitere Millionen.
Laut einem Bericht des Chicago Tribune schäumten die überlebenden amerikanischen Matrosen trotz Entschädigungen noch 2007 vor Wut. Die verworrenen Umstände des fatalen Angriffs ließen die Betroffenen offensichtlich auch bis ins hohe Alter nicht los. Weshalb wurden sie ausgerechnet von ihren Verbündeten attackiert? Und weshalb kam ihnen niemand zu Hilfe?

Die israelische Seite beruft sich in ihren offiziellen Untersuchungen bis heute auf Missverständnisse und Kommunikationsprobleme. Nachdem die USS Liberty überflogen worden war, verlor man sie aus dem Blick und nahm an, sie sei aufs offene Meer hinaus gefahren. Schließlich hatten die Amerikaner wenige Tage vorher ja selbst gesagt, sie hätten keine Schiffe in unmittelbarer Nähe der Kämpfe. Zudem sei in der internen Kommunikation die Information über die USS Liberty gänzlich verloren gegangen. Daher hätten die zuständigen Kommandeure, die den Angriff befehligten, nichts von der Anwesenheit der Amerikaner in der Nähe gewusst. Sie gingen direkt von gegnerischen Schiffen aus.

Doch hätten die Piloten nicht selbst sehen können, um wen es sich bei den Angegriffenen handelte? Hier herrscht bis heute Uneinigkeit. Die Amerikaner behaupten, ihre Flagge sei gut sichtbar gehisst gewesen. Die Israelis behaupten das Gegenteil – es habe keine Flagge gegeben. In den vergangenen Jahren tauchten immer wieder Gerüchte auf, die Piloten und die Kommandeure am Boden hätten gewusst, um wen es sich bei dem ominösen Schiff gehandelt habe. Angeblich wollte man die Amerikaner glauben lassen, die arabischen Staaten wären schuld am Angriff. Sie sollten so zum Kriegseintritt bewegt werden.

Befeuert wird die Wut der Betroffenen zudem durch die wenig eindeutige Haltung der US-Regierung.

Lange war die Angelegenheit um die USS Liberty geheime Verschlusssache und es wurde stets behauptet, die NSA habe keine Kommunikation der israelischen Piloten abgefangen. Nur wenige erhielten Zugang zu den vertraulichen Dokumenten. Auf Seiten der Überlebenden bestand immer die Vermutung, die NSA habe auch die Kommunikation der Israelis abgehört, den Angriff kommen sehen, aber nicht gehandelt. Die verschwiegene Position der Regierung befeuerte diese These immer weiter.

Die Recherchen des Chicago Tribune lieferten tatsächlich Hinweise in diese Richtung. Insbesondere Interviews mit ehemaligen Angestellten der NSA sowie der CIA legen nahe, dass die Amerikaner vom bevorstehenden Angriff wussten. Einer der israelischen Kommandeure habe nach diesen Aussagen sogar energisch darauf bestanden, keine Überlebenden zurückzulassen und sich frustriert gezeigt, als seine Piloten es nicht schafften, das Schiff zu versenken.

Diese Unklarheit auf Seiten der eigenen Regierung ist für die letzten Überlebenden des Angriffs noch immer Anlass für Wutausbrüche – sie bezichtigen die israelische wie auch die eigene Regierung der Lüge und wünschen sich, dass endlich die Wahrheit ans Licht kommen möge. Doch wie so häufig in der Spionage wird es wohl noch Jahrzehnte dauern, bis die Details endgültig aufgeklärt sind.

Bilder: Public Domain (NSA / U.S. Navy)