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Rückblick: Die Agentenbrücke. Der Anwalt, der aus der Kälte kam…

Die große Show auf der Glienicker Brücke: Agentenaustausch 1985, 25 CIA-Agenten gegen vier Ost-Spione in den USA. Vor über 30 Jahren fand der größte Agentenaustausch im Kalten Krieg statt, er war das Ergebnis von acht Jahren Verhandlung und ging in die Geschichte ein. Der berühmt-berüchtigte DDR-Staranwalt Wolfgang Vogel war eine der treibenden Kräfte beim streng geheimen Agentenaustausch in der Hauptstadt der Spione.

Am 7. September 2017 diskutierte im Deutschen Spionagemuseum dessen Biograf, Norbert F. Pötzl, langjähriger Redakteur beim Nachrichtenmagazin SPIEGEL, die spannenden und dramatischen Hintergründe der Austauschoperationen auf der Glienicker Brücke mit einem Teilnehmer der Ereignisse: Ex-CIA-Agent Eberhard Fätkenheuer.

1962 fand der erste Austausch auf der Glienicker Brücke statt, dem Steven Spielberg 2015 in seinem Epos „Bridge of Spies“ ein Denkmal setzte. Der KGB-Top-Spion Rudolf Iwanowitsch Abel gegen den US-Aufklärungspilot Francis Gary Powers. Die erste Sternstunde von Wolfgang Vogel, der mit Abels Pflichtverteidiger James Donovan verhandelte. In den 1980er Jahren dann ein ähnliches Bild: ein jahrelanges Gescharre auf dem „Basar der Spione“, wo jahrelang um „gleichwertige“ Agenten gefeilscht wurde.

Mehr durch Zufall rutschte Eberhard Fätkenheuer auf eine dieser Listen für mögliche Agenten. 1975 von der CIA angeworben, spionierte er jahrelang Militärobjekte in der DDR aus. Dann die Verhaftung und jahrelange Haft. Eine dramatische persönliche Geschichte, die ihren Höhepunkt nahm, als ihm auf der Glienicker Brücke die Frage gestellt wurde, ob er in der DDR bleiben oder in den Westen wollte. Nachdem Vogel ihn allerdings kurz zuvor davon unterrichtet hatte, dass seine Frau mit einem anderen Mann zusammenlebt und die Scheidung eingereicht hat, fiel die Entscheidung für den Westen.

Während Fätkenheuer eindrücklich die emotionale Seite des Agentendaseins und das Gefühl, nach Jahren der Haft über die Brücke in die Freiheit zu gelangen, schilderte, vervollständigte der Vogel-Fachmann Pötzl das Bild durch weitere Einblicke in die Verhandlungen. Dabei wurde deutlich, welche Position Vogel schon früh bei unzähligen Verhandlungen – vor allem beim Häftlingsfreikauf – zwischen Ost und West gespielt hat. Dem oft geäußerten Vorwurf, Vogel hätte mit diesen Aktivitäten zu viel Geld verdient (insgesamt etwas eine Million Mark) stellte er die Tatsache gegenüber, dass Vogel an der Freilassung von 150 Agenten und der Ausreise von über 215.000 DDR-Bürgern maßgeblich beteiligt war. Nach dieser Rechnung fällt das Kopfgeld recht bescheiden aus.

Die Glienicker Brücke war ein ganz besonderer Ort des Kalten Kriegs, nicht nur für beide Protagonisten des Abends. Brücke der Einheit und Brücke in die Freiheit, streng geheimer Ort und Kulisse für Medienspektakel, ihre Vielseitigkeit machte sie unvergesslich. Die gut besuchte Veranstaltung und das interessierte Publikum, dass sich nach dem Vortrag mit zahlreichen Fragen an die beiden Protagonisten wandte, machten deutlich, dass diese Episode der Geschichte bis heute fasziniert.

Die nächste Veranstaltung im Deutschen Spionagemuseum beschäftigt sich mit einer außergewöhnlichen Marketing-Maßnahme des Bundesnachrichtendienstes: 1967 entsteht ein Agentenfilm mit Lex Barker in der Hauptrolle, der maßgeblich vom deutschen Auslandsgeheimdienst unterstützt wird. BND-Chefhistoriker Dr. Bodo Hechelhammer schildert am 19. September 2017 die unterhaltsamen Hintergründe.