Vor 27 Jahren – die Auflösung der DDR-Auslandsspionage HV A am 23.2.1990

In 40 Jahren, von der Gründung im Jahr 1950 bis zur Auflösung 1990, entwickelte sich das Ministerium für Staatssicherheit der DDR zu einem extrem personalstarken Geheimdienst.

Der Apparat war 1989 so aufgebläht, dass auf einen Stasi-Mitarbeiter nur 163 DDR-Einwohner kamen. Das ist das höchste Verhältnis von Spion zu Einwohner eines Landes in der Weltgeschichte. Dass dieser gewaltige Apparat innerhalb weniger Wochen implodieren würde, hatte niemand vorhergesehen.

Countdown zur Stasi-Auflösung

Zwei Daten markieren die Auflösung des Staatssicherheitsapparates der DDR in besonderer Weise:

1) 15. Januar 1990: Die Besetzung der Stasi-Zentrale in der Normannenstraße durch DDR-Bürger, die die Vernichtung von Geheimdienstakten verhindern wollen.
2) 23. Februar 1990: An diesem Freitag beschloss der sogenannte „Runde Tisch“ in der DDR, an dem Vertreter der alten Staatsmacht mit Bürgervertretern die neuen Reformen verhandelten, die Komplettauflösung des DDR-Auslandsgeheimdienstes, der Hauptverwaltung A (HV A).

Die Hauptverwaltung Aufklärung galt als besonders erfolgreich arbeitende Abteilung der Staatssicherheit. Es gelang ihnen wiederholt, mit moderner Technik ausgestattete Top-Agenten in hohe Positionen westlicher Politik- und Wirtschaftsorganisationen einzuschleusen.

Zu den spektakulärsten Erfolgen der HV A gehört die Rettung von Bundeskanzler Willy Brandt bei einem Misstrauensvotum 1972, für das die HV A die benötigten Stimmen kaufte. Auch um den langjährigen Leiter der HV A, Markus Wolf, ranken sich Legenden. Viele Jahre lang war er bei den westlichen Nachrichtendiensten nur als „Mann ohne Gesicht“ bekannt, von dem kein aktuelles Foto existierte. Erst 1979 gelang es, Wolf mit Hilfe eines zum Westen übergelaufenen HV A-Agenten zu identifizieren.

Aktenvernichtung durch HV A

Durch geschicktes Überlisten der Bürgervertreter erreichte die HV A, dass ihr, im Gegensatz zu den anderen Abteilungen der Staatssicherheit, die Auflösung in Eigenregie übertragen wurde. Fortan liefen die Aktenschredder heiß, Unterlagen wurden vernichtet und Geldmittel beiseitegeschafft. Es gelang der HV A deutlich erfolgreicher als den anderen Stasi-Abteilungen, den Großteil ihrer Unterlagen verschwinden zu lassen.

Die Vernichtung ihrer Archive sollte später nicht wenig zur Legendbildung dieser Institution beitragen. Die Rekonstruktion von Teilbeständen des Archivs beschäftigt die Wissenschaft auch heute noch. Unter anderem spielen dabei die berühmten Rosenholtz-Dateien eine wesentliche Rolle, bei denen es sich um mikroverfilmte Karteikarten der HV A handelt und die auf ungeklärte Weise in den Besitz der CIA gelangten. Solche zum Teil recht nebulösen Entwicklungen reichern den Mythos um die Hauptverwaltung Aufklärung weiter an.


Fotos

Bundesarchiv: Bild 183-1990-0116-013 / CC-BY-SA 3.0, Bild 183-1990-0111-029 / Lehmann, Thomas / CC-BY-SA 3.0, Bundesarchiv, Bild 183-1990-0116-014 / CC-BY-SA 3.0

Autor: Christoph Ewering

Veröffentlicht am: 23.02.2017